Monday, January 9, 2012

mit 80 Sachen ueber den Lake Wakatipu

Ich habe mal wieder frei und befinde mich in Queenstown. Das Wetter ist schon seit Wochen phaenomenal (der trockenste Sommer seit vielen Jahren) und ich geniesse die Sonnenstrahlen, ohne mich von laestigen Sandflies plagen lassen zu muessen.

Hauptgrund fuer meine Aufenthalt in Queenstown ist mal wieder Immigration New Zealand. Bereits vor Weihnachten hab ich meinen medizinischen Check machen lassen und bin nun hier, um meine Unterlagen abzuholen, da sie von einer Institution namens Post wahrscheinlich noch nie was gehoert haben. Mein polizeiliches Fuehrungszeugnis aus Deutschland wollte auch noch uebersetzt werden und so machte ich mich auf die Suche nach einem qualifizierten Uebersetzungsservice. Dort wollte man mich auch gleich wieder fuer dumm verkaufen und meinte, die Uebersetzung koennte nicht per Post geschickt werden, weil sie ja beglaubigt werden muss. Die qualifiziert sich fuer die duemmste Ausrede, die ich seit Wochen gehoert habe! Schliesslich habe ich all meine anderen Uebersetzungen in Auckland machen lassen und die habe ich ja schliesslich auch nicht persoenlich vorbeigebracht und wieder abgeholt. Ich glaube die Dame war einfach zu faul, das Blatt Papier in einen Umschlag zu stecken. Naja, nach einigem Hin und Her meinte sie dann, sie kann das ganze in den naechsten 30 Minuten uebersetzen, wenn ich solange warten moechte. Ja wollte ich.

In der Zwischenzeit war es in Queenstown so heiss, dass man es draussen kaum auszuhalten vermag (25 Grad und kein Lueftchen Wind) und so beschloss ich, unserer Southern Discoveries Reservation mal einen Besuch abzustatten und die Damen auszuhorchen, ob sie mir nicht eine Tour mit dem Jet Boot buchen koennten, schliesslich gehoert Kawarau Jet zu Teilen zu uns. Nach einigen Telefonaten hatte ich meine freie Tour und machte mich auf den Weg zum Steg, wo einige Minuten spaeter auch gleich das Jet Boot ablegte. In Queenstown gibts so ca. hunderttausend Jet Boot Anbieter (leicht uebertrieben) und sie unterscheiden sich im Grunde genommen nur in ihren Zielen. Denn je nachdem, von wo aus sie starten, befahren sie unterschiedliche Fluesse und/oder Flussabschnitte. Der K-Jet legt direkt in Queenstown ab, faehrt ne Weile ueber den Lake Wakatipu und dann in den Kawarau River. Spaeter dann gehts in den Shotover River, der sich vom Kawarau River durch seine Tiefe unterscheidet. Waehrend der Kawarau River stellenweise bis zu mehrere Meter Tiefe aufweist, ist der Shotover River durchschnittlich nur 10cm tief. Ja, Ihr habt richtig gelesen, Zentimeter! Wie kommt denn das Boot da durch, fragt sich der aufmerksame Leser. ALSO (Achtung, es folgt die Preiss'sche wissenschaftliche Erklaerung), die Jet Boote haben keine Propeller, die waeren naemlich nur im Weg. Sie saugen das Wasser auf, leiten es wer weiss wo durch und dann wird es hinten wieder ausgestossen. Der dabei entstehende Druck schiebt das Boot nach vorne. Alles klar?! Wenn nicht, dann bitte googeln, denn alles andere uebersteigt mein wissenschaftliches Verstaendnis....

Auf alle Faelle war das Fliegen uebers Wasser und die gelegentlichen Wasserspritzer sehr angenehm in der Nachmittagshitze und wer schon mal so ne Jet Boot Tour in Neuseeland gemacht hat, weiss dass das kein gemuetlicher Ausflug auf dem Wasser ist. Das Boot wird naemlich alle paar Minuten um 365 Grad gedreht, damit auch jeder so richtig gut durchgeschuettelt wird (und nass wird). Irgendwie fand ich die Linksdreher besser als die Rechtsdreher, denn ich wollte nicht staendig auf dem Schoss meiner rechten Nachbarin landen. Nach links war ich zum Fahrer durch ne Wand abgedrehnt und die stellte sich als gute Barriere heraus. Naja, wie sagt einer unser Skipper immer, wenn wir raus aufs stuermische Meer fahren: "Ein Fremder ist einfach nur ein Freund, den man noch nicht kennengelernt hat!"

In diesem Sinne,
Eure Katja

Saturday, January 7, 2012

Top 5 in 2011

Seit ein paar Tagen schon befinden wir uns im neuen Jahr und es ist mal wieder an der Zeit, ein Resumee ueber das vergangene Jahr zu ziehen. Erstmal moechte ich mich fuer die fehlenden ueblichen Weihnachts-und Neujahrsgruesse entschuldigen, aber auf Arbeit waren wir teilweise viel beschaeftigt und ich hatte einfach keine Energie dafuer. Ich hoffe trotzdem, dass es alle gesund und munter ins Jahr 2012 geschafft haben.

Wie sieht also meine Top 5 fuer das vergangene Jahr aus? Fangen wir doch mal von hinten an....

5. Ich haette nicht gedacht, dass es Herr Bernhard Hoecker in meine persoenliche Top 5 schaffen wuerde, aber da ist er. Kommt ja nicht jeden Tag vor, dass man einen Star sitten darf. Nett war er auch und somit war dies ein besonderes Erlebnis fuer mich.

4. Die meisten werden sich an meine Reiseeskapaden in Europa erinnern und aus diesen zwei Wochen stammen die naechsten drei Highlights. Amsterdam lernte ich als eine Stadt mit Charm und Charakter kennen und meine sehr kurze Zeit dort genoss ich in vollen Zuegen. Schon allein das Wiedersehen meiner ehemaligen Arbeitskollegen Emilie und Dan aus Vancouver machte den Aufenthalt unvergesslich und zeigte mal wieder deutlich, warum das Reisen soviel Spass macht; Man lernt Leute kennen, gewinnt neue Freunde und wenn es das Schicksal gut mit einem meint, trifft man sie irgendwann und irgendwo wieder, redet ueber die guten alten Zeiten und lacht ueber Dinge, die man schon laengst vergessen geglaubt hat. Unbezahlbar (ich bediene mich hier mal eines Werbespruch einer Kreditkartenfirma)!

3. Wenn man in ein fremdes Land oder eine Stadt reist und nicht viel Zeit zum Sightseeing hat, sollte man versuchen, dessen Wahrzeichen zu besuchen. Das ist zumindest mein Motto. So geschehen bei meinem Paris Aufenthalt. Auch wenn der Besuch aufgrund von Zeitrestriktionen etwas chaotisch war, lies ich es mir nicht nehmen, dem Eifelturm einen Besuch abzustatten und mich in die Reihen der staunenden Touristen einzureihen. Schon komisch, dass ein Stahlgeruest soviel Aufsehen erregen kann, aber der Turm hat was, besonders nachts im angestrahlten Zustand. Einfach majestaetisch!

2. Und noch ein Reiserlebnis, diesmal aus Rom. Hier hat mich sogut wie alles fasziniert; die Geschichte, der Mix aus alt und neu und wie die Roemer so relaxt mit der geballten Ladung Historie umgehen. Das Kolloseum hautnah zu sehen, war schon immer ein Traum von mir und obwohl ich diesen Traum mit Tausend anderen Touristen teilen musste, war es ein unvergessliches Erlebnis. Wie kann man Rom kurz und knapp zusammenfassen? Heiss, stickig und die Strassenverkaeufer kleben an dir wie Kaugummi, aber es ist es Wert!

1. Den 1. Geburtstag meines Neffen Henry mitzuerleben war toll, nachdem ich schon sein erstes Weihnachten verpasst habe. Ich hoffe, in Zukunft bei sovielen Geburtstagen wie moeglich anwesend sein zu koennen, um den kleinen Superstar mit Geschenken ueberhaeufen zu koennen. Bin ja schliesslich die Tante und daher darf ich das!
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Fuers neue Jahr habe ich mir viel vorgenommen. Ich stecke gerade mitten in meiner Bewerbung fuer die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung fuer Neuseeland und dessen Resultat wird meinen weiteren Werdegang stark beeinflussen. Meiner Einschaetzung nach stehen meine Chancen fifty fifty und somit kann ich mich einfach nur ueberraschen lassen.

Euch wuensche ich fuer 2012 viel Schaffenskraft und eine positive Einstellung zum Leben. Wenn wir alles nur schwarz sehen, uebersehen wir doch glatt, wie farbenfroh und facettenreich das Leben ist! In diesem Sinne, lasst es Euch gut gehen und bleibt schoen gesund...

Eure Katja

Sunday, November 27, 2011

Und der naechste Sommer hat begonnen

Wie die Zeit vergeht, der Winter ist vorueber und wir befinden uns schon wieder voll in der Sommersaison. Ich habe schon eine Weile nichts mehr von mir hoeren lassen und das will ich heute aendern. Also Hallo erstmal.

Seit dem 1. November hat bei uns bei Southern Discoveries ganz offiziell der Sommer angefangen und fuer die neue Saison haben wir natuerlich auch wieder neue Leute eingestellt. Mit denen bin ich bis jetzt sehr zufrieden und dieses Jahr hat sich Management bei den Einstellungsgespraechen mehr Muehe gegeben als letztes Jahr, wo wir wirklich sehr viel Pech mit der Mehrzahl unserer Neulinge hatten. Die Arbeitsmoral stimmt und so wirklich dumm stellt sich auch niemand an. Ich klopfe auf Holz.

Das Wochenende um den 30. Oktober verbrachte ich mit meiner guten Freundin Sara in Dunedin, wo ein Traum fuer mich wahr wurde; wir besuchten ein Konzert der neuseelaendischen Gruppe Fly My Pretties. Dabei handelt es sich um eine Kollaboration neuseelaendischer Musiker aus verschiedenen Genren und verschiedenen Bands, die nur Liveauftritte absolvieren und keine Studioalben veroeffentlichen. Die Band wurde 2004 in Wellington gegruendet, besteht aber aus keinem festen Stamm von Musikern, sondern laedt fuer jede Tour neue Gastmusiker ein, ihre eigenen Songs auf der Buehne vorzutragen. Diese Tour ist nun bereits die fuenfte und diesmal schaffte ich es endlich, eines ihrer legendaeren Konzerte (das erste dieser Konzertreihe) in Dundin zu besuchen und war hellauf begeistert. Die Stimmung war klasse und nachdem der erste Teil mit neuen Songs beendet und der zweite Teil mit bekannten Songs aus den vorherigen Jahren begonnen hatte, gab es fuer die meisten Zuschauer kein Halt mehr; die Leute tanzten in den Reihen, vor der Buehne (in einem alten Theater, wo eigentlich kein Platz fuer Stehplaetze ist) und wo sie sonst noch Platz fanden. Hier mal einer ihrer Songs von der letzten Tour, welcher auch in diesmal wieder gespielt wurde und sooooo schoen ist.

An meinen freien Tagen wird es wohl in den naechsten Monaten ein wenig ruhiger zugehen, weil ich mich momentan um sehr viel Papierkram bemuehen muss. Ich stecke mitten in der Bewerbung zu meiner dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung fuer Neuseeland (permanent residency) und da gibt es noch einiges fuer zu tun und so ganz billig ist das leider auch nicht. Deswegen trete ich ein wenig kuerzer und spare Geld, um fuer all die Uebersetzungen, Zertifikate, die Bewerbung an sich und den medizinischen Test aufkommen zu koennen. Billig ist das ganze nicht und es kostet mich einiges an Nerven, aber es ist die Sache Wert. Das Ergebnis wird das hoffentlich wiederspiegeln.

Zu meinen zahlreichen Talenten kann ich ein weiteres hinzufuegen; Starsitting. So aehnlich wie wie Babysitting, aber eben doch nicht ganz das selbe. Ich habe mich um einen Star gekuemmert. Einen Star, den in Neuseeland niemand kennt, der aber in Deutschland sehr bekannt ist. Und da komme ich ins Spiel, weil es unser Management als gute Idee ansah, diesem deutschen Star ein deutschsprechendes Crewmitglied auf dem Boot zur Verfuegung zu stellen, als Zeichen unseres guten Service sozusagen. Und so kam es also, dass ein gewisser Bernhard Hoecker ("Hoecker, Sie sind raus!") unsere "Pride of Milford' betrat und ganz verdutzt zu mir meinte "Du sprichst aber ein komisches Englisch, das versteh ich ja!" Wir verstanden uns auf Anhieb gut und ich erklaerte ihm so einiges ueber Milford Sound, wie wir hier so leben, wie der Fjord entstanden ist und was es sonst noch so zu sehen und zu erleben gibt. Dabei wurde ich dummerweise gefilmt, denn er meinte zu mir, "Na wo wir schonmal jemand aus Deutschland hier haben, muessen wir auch ein kleines Interview machen!" und auf mein "Nein" wartete man gar nicht erst. Die Videos, die auf seiner Neuseelandreise entstehen, werden alle auf seinem Blog veroeffentlicht und mit Erleichterung habe ich festgestellt, dass ich komplett rausgeschnitten wurde. Hoeckers Reiseplan unterscheidet sich allerdings ein wenig von dem der meisten Neuseeland Touristen, denn im Internet koennen die Leser seines Blogs darueber abstimmen, was er in den bestimmten Regionen machen soll. Fuer Fiordland wurde zelten vorgeschlagen. Das kann man hier groesstenteils vergessen, weil wir hier erstens im Nationalpark leben, wo sowas nicht gern gesehen wird und weil man zweitens von Sandflies aufgefressen wird. Das hab ich ihm auch gesagt und er war gar nicht so boese drum, denn die Zeltidee stiess bei ihm auf keinen grossen Zuspruch. Im Video spaeter ist er zwar zeltend zu sehen, aber ich koennte wetten, dass dies ausserhalb des Nationalparks gedreht wurde. Aber wir sind ja nicht kleinlich.... Auf alle Faelle war sein Besuch eine willkommene Abwechslung und dabei hab ich gleich noch ein Erinnerungsfoto ergattert.

Auf Januar naechsten Jahres freue ich mich schon ganz besonders (ja mein Bruder wird 30, aber das ist es nicht), denn ich werde meiner alten Heimat Melbourne endlich wieder einen Besuch abstatten. Katrin macht Urlaub in der Wueste Australiens und nach diesem anstrengenden Trip braucht sie wahrscheinlich Aufmunterung. Wir werden uns fuer ein paar Tage in Melbourne treffen und unsere alte Heimat wiederentdecken. Dorthin zu kommen gleicht mal wieder einer Odysee und der Heimweg von Melbourne nach Milford dauert fuer mich genauso lange wie fuer Katrin von Melbourne nach Deutschland. Wer haette das fuer moeglich gehalten! Ueber meine Dutzend Fluege und alles andere dann im Januar mehr....

Tja, das wars erstmal wieder fuer heute. Vielleicht laesst ja der naechste Eintrag nicht so lange auf sich warten wie dieser, aber wer weiss das schon so genau.....

Eure Katja

Monday, October 17, 2011

Rugby World Cup Teil 2

Nach mehr als 40 Tagen Rugby pur steht nun am Sonntag die Entscheidung an; das Finale. Nach einer recht einfachen Gruppe und sehr unausgeglichenen Spielen gegen Tonga, Japan und Kanada und einem ebenso ueberraschenden wie truegerischem Match gegen Frankreich stehen die All Blacks nun im Finale, nachdem sie am letzten Sonntag ihren grossen Bruder Australien im Halbfinale nach Hause geschickt haben. Das andere Halbfinale bestritten Wales und Frankreich und nun spielen die All Blacks schon zum zweiten Mal gegen Frankreich. Das letzte Match war ueberraschenderweise von den All Blacks beherrscht worden und Frankreich kam kaum zum Zug. Das spiegelt allerdings nicht ihre tatsaechliche Leistungskraft wieder, schliesslich haben sie andere hervorragende Spiele abgeliefert und hatten wahrscheinlich nur einen schlechten Tag bzw wussten, dass sie sowieso in die naechste Runde einziehen wuerden und liesen es daher etwas ruhiger angehen. Halb Neuseeland feiert die All Blacks schon als Weltmeister, aber ich waere da eher vorsichtig; Ueberheblichkeit hat schon viele Teams ihren Sieg gekostet und die All Blacks haben mich bisher nicht hundertprozentig ueberzeugt. In der Abwehr sind sie Spitzenklasse und das hat ihre Siege gegen Argentinien und auch gegen Australien gesichert. Allerdings wuerde ich mir im Angriff ein bisschen mehr Action wuenschen und mehr Punkte durch Tore (genannt Try), anstatt nur durch Strafpunkte (Penalties).

Nach soviel Rugby muss ich sagen, dass ich Fussball sehr vermisse. Im Rugby ist das Dargebotene sehr beschraenkt auf einen Angreifer, der sobald er im Besitz des Balls ist, von der gegnerischen Mannschaft angegriffen und meist zu Fall gebracht wird. Den Grossteil der Spielzeit verbringen die Spieler am Boden, angehaeuft uebereinander und versuchen, den Ball an sich zu bringen. Sobald dies einem Spieler gelungen ist und er sich freilaufen kann, wird dieser wieder attackiert und es entsteht ein neuer Haufen. Etwas langatmig manchmal. Die Regeln sind mir groesstenteils immer noch ein Raetsel, auch wenn mich meine Arbeitskollegen beim gemeinsamen Schauen immer aufzuklaeren versuchen. Tja, Rugby ist halt eine Kultur fuer sich und das braucht so seine Zeit, bis man ein Teil davon wird. Genauso denken wahrscheinlich viele Kiwis ueber den Fussball.

Wie bereits im letzten Eintrag erwaehnt, hoffe ich sehr, dass die Kiwis das Finale gewinnen, ansonsten weiss ich nicht, was hier im Land abgeht. Nach all den Hoffnungen und grossen Erwartungen duerfte es schwer werden, mit einer Niederlage umzugehen. Und man hoert sehr oft, dass es das Land nach all den Katastrophen und Ungluecken der letzten Monate mehr als verdient haette (Minenunglueck, Erdbeben, Oelkatastrophe usw). Ich drueck den All Blacks auf alle Faelle die Daumen und sag GO ALL BLACKS!

Wednesday, September 21, 2011

Rugby World Cup 2011 in Neuseeland

Seit dem 9. September laeuft in Neuseeland das Sportereignis des Jahres, wenn nicht sogar des Jahrhunderts. Zu solch einer Uebertreibung kann sich nur ein sportbesessener Kiwi hinreisen lassen, aber manchmal neigen sie eben zur Uebertreibung, vorallem wenn es um ihren Nationalsport Rugby geht. Da ich die Frauenfussball WM dieses Jahr in Deutschland und die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver miterlebt habe, moechte ich diese Gelegenheit fuer ein paar Vergleiche nutzen.

Die Stimmung im Vorfeld war hier eher gemischt, was man vorallem der Internationalen Rugby Union zuschreiben muss. Was da an Regulierungen und Bestimmungen verzapft wurde, grenzt an Bloedsinn und veranschaulicht sehr deutlich, worum es hier wirklich geht. Ums Spiel und den Sport wuerden die meisten sagen. Falsch! Es geht um Geld und zwar eine Menge Geld. Wie bei allen anderen grossen Sportereignissen machen die Sponsoren und Organisatoren eine Menge Geld und das ist ja auf der einen Seite auch richtig, schliesslich stecken sie eine Menge Geld in den World Cup. Auf der anderen Seite kann man nicht so richtig verstehen, warum ein Pub nicht mal den Slogan "Rugby World Cup" verwenden darf, wenn es fuer die Live Uebertragung von Spielen zum Beispiel "Rugby World Cup Match Neuseeland vs. Tonga" an ihre Tafeln schreibt. Das verstoesst gegen die Bestimmungen, schliesslich koennte man ja mit dem Namen "Rugby World Cup" Geld verdienen. Nun ja, ums Geld verdienen geht es ja schliesslich, darueber reden sie in ganz Neuseeland schon seit Monaten, nur scheint dies nur einem elitaeren Kreis vorbehalten sein. Den kleinen Geschaeftsleuten scheint man dies nicht zu goennen.

Nun ja, negative Stimmung und eine schlechte Einstellung zu den Olympischen Spielen gabs auch in Kanada, vorallem natuerlich in British Columbia und Vancouver, wo man mit den Auswirkungen leben musste. Aber wie auch dort schlug die Stimmung hier in Neuseeland sehr stark um. Hatte man sich vorher noch sehr laut ueber die horrenden "All Blacks" Trikotpreise von adidas beschwert, wurden nach dem Eroeffnungsspiel die Laeden regelrecht gestuermt und den Ladenbesitzern die Trikots mehr oder weniger aus den Haenden gerissen. Verstaendlich war der Aerger schon, schliesslich bezahlt der Kiwi fuer ein All Blacks Trikot fuer den Rubgy World Cup im eigenen Land mehr als wenn er das Trikot im Ausland kaufen wuerde. Das kriegten die Kiwis sehr schnell spitz und die Internethaendler auch und so war das Kaufen im Ausland zwischenzeitlich sogar verboten.

Auckland ist die groesste Stadt Neuseelands, aber nicht die Hauptstadt. Wellington waere gar nicht in der Lage, all die Tausend Besucher zu beherbergen und deswegen wurden Eroeffungsfeier, Eroeffnungsspiel und alle Spiele nach den Viertelfinalen nach Auckland vergeben. Das heisst nicht automatisch, dass Auckland mit den Besucherzahlen umgehen kann - wie der erste Abend eindeutig zeigte. Auckland und vorallem der oeffentliche Nahverkehr blamierten sich bis auf die Knochen und musste Haeme der heimischen (und vielleicht auch der internationalen) Presse einstecken. Zu Recht. Der Buergermeister Aucklands hatte alle Einwohner und Besucher aufgefordert, die oeffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, um die Strassen zu entlasten. Das fuehrte dazu, dass die Strassen lehr und die Zuege und Busse vollkommen ueberlastet waren, weil man nicht mit derartigen Besuchermassen gerechnet hatte (das war ein Zitat!). Das fuehrte ausserdem dazu, dass viele Ticketbesitzer die Eroeffnungsfeier gar nicht oder zu spaet zu sehen bekamen und einige andere verpassten auch das Eroeffnungsspiel der All Blacks gegen Tonga. Man streitet sich noch immer darum, wie man diese Ticketbesitzer kompensiert. Ach ja und der Hohn an der ganzen Sache: Der Buergermeister selbst war puenktlich, weil er selbst mit dem Auto gefahren war. Hmm, vielleicht wusste er, dass er seinen eigenen oeffentlichen Verkehrsmitteln nicht so ganz trauen kann....

Eine andere Sache, die vorallem uns Leute auf der Suedinsel so richtig wuetend macht, ist die Vergabe der Spiele an die verschiedenen Stadien. Zugegeben, Neuseeland ist ein kleines Land und ausser in den Grosstaedten Auckland (Nordinsel), Wellington (NI), Christchurch (Suedinsel) und Dunedin (SI) gibt es keine grossen Stadien, die internationale Spiele mit mehreren tausend Zuschauern beherbergen koennen. Deswegen war schon von vorne herein klar, dass die kleineren Orte wie Invercargill (SI), Rotorua (NI), New Plymouth (NI), Whangarai (NI), Hamilton (NI), Napier (NI), Nelson (SI) und Palmerston North (NI) die weniger bedeutenden Spiele abbgekommen wuerden, waerend die wirklich grossen Spiele der Titelfavouriten den grossen Stadien vorbehalten bleiben wuerde (zu diesen Favouriten zaehlen Neuseeland, Australien, Suedafrika, Frankreich und vielleicht noch England). Nachdem ich mir den Spielplan mal ganz genau angeschaut habe, musste ich feststellen, dass die All Blacks Spiele der Vorrunde folgendermassen vergeben sind: 2x Auckland, 1x Hamilton und 1x Wellington. Wenn die All Blacks weiterkommen (wovon wir doch mal alle ausgehen), geht es folgendermassen weiter: 2 der Qualifikationsspiele in Auckland und 2 in Wellington. Da Neuseeland in Pool A spielt, spielen sie auf alle Faelle wieder in Auckland, ob sie nun ihre Gruppe anfuehren oder als Zweite in die naechste Runde gehen. Die beiden Halbfinale dann in Auckland, das Spiel um den Dritten in Auckland, und wer haette es gedacht, das Finale natuerlich auch in Auckland. Nichts auf der Suedinsel. Die Leute sind richtig sauer und fuehlen sich vernachlaessigt. Hinderlich kommt hinzu, dass Christchurch aufgrund des schweren Erdbebens im Februar und den starken Schaeden am Stadium und der Infrarstruktur der gesamten Region nicht in der Lage ist, Spiele zu beherbergen und seine 7 Spiele verloren hat (inkl zwei der Qualifikationsspiele nach der Vorrunde, die einzigen die die All Blacks auf die Suedinsel verschlagen haette).

Warum das Ganze? Wie schon erwaehnt, Auckland ist die groesste Stadt in Neuseeland und kann die Menschenmassen besser aufnehmen. Eine weiterer Grund kommt aber noch hinzu. Geld. Die All Blacks Spiele sind alle ausverkauft, weil die Kiwis natuerlich ihr Team sehen wollen. Da kann man bei groesseren Stadien natuerlich mehr Geld machen. Hinzu kommt, dass die Spiele der All Blacks alle praktischerweise entweder an einem Freitag oder am Wochenende stattfinden, wo die meisten Kiwis auch Zeit haben; entweder fuers Stadium oder fuers Fernsehen. Da laesst sich mit Werbung auch ein Vermoegen machen. Kleinere Laender wie Samoa haben sich inzwischen ueber die Termine aufgeregt und sich beschwert, warum manche Teams mehr Vorbereitungszeit vor ihren Spielen haben als andere. Begruendung im Fernsehen: Die Terminvergabe haengt von mehreren Faktoren ab, unter anderem auch dem Verkauf von Spielrechten an die uebertragenden Sender und optimalen Sendezeiten. Ach ja, ich vergass zu erwaehnen, ein weiterer Aufreger. Waehrend man in Deutschland bei Sportereignissen wirklich alles zu sehen bekommt und das entweder im oeffentlich rechtlichen oder bei den Privatsendern kann man hier die Spiele nur beim Bezahlsender Sky anschauen. Im freien TV gabs nur das Eroeffnungsspiel (zeitgleich) und einige andere (2 Stunden zeitversetzt). Auch sonst kaum Sondersendungen zum Thema Rugby, man geht halt davon aus, dass jeder Sky hat. Wenn man an den Ergebnissen interessiert ist, muss man halt die News schauen, da gibt es dann ne Zusammenfassung des Tages. Naja, die News hier sind sowieso der Witz, anstatt internationaler Belange wird hier lieber Videobeweismaterial diskutiert, dass den verheirateten Kapitaen der englischen Rugby Mannschaft in einer Queenstown Bar in Flagranti mit einer heissen Blondine zeigt. Ja das ist wirklich wichtig und macht die internationalen News in Neuseeland!

Ich haette mir liebend gern soviele Spiele wie moeglich angeschaut, schliesslich bin ich hier vor Ort und es gibt keine Zeitverschiebung zu beachten. Aber denkste, man kriegt ja kaum was mit. Wie damals in Kanada, wo ich mich von Leuten in Deutschland ueber den Stand der Dinge informieren lassen musste, weil in Kanada immer nur dann etwas uebertragen wird, wenn ein Kanadier am Wettbewerb teilnimmt (egal wie schlecht er ist). Was mich hier wirklich wuetend macht, ist dass bei all dem Trubel der Sinn fuer den Sport total abhanden gekommen ist. Da hilft es nicht, dass ich in der Zeitung einen euphorischen Artikel ueber die Spiele in Dunedin lese und wieviele internationale Besucher und somit Geld in die Kassen geflossen sind. Ach ja, die tolle Atmosphaere wurde auch mal kurz erwaehnt und dass sich die internationalen Besucher soviel besser zu benehmen wissen als die meisten Kiwis. Vielleicht liegts daran, dass das Bier einfach zu teuer ist.

Hier in Milford haben wir mal fuer ein oder zwei Wochen was vom Rugby World Cup gespuert, als vorallem all die Leute aus Schottland, Argentinien und Georgien bei uns auf den Booten auftauchen, da sie zwischen den Spielen ihrer Teams den Sueden des Landes erkunden wollten. Es finden nur noch 2 weitere Spiele in Dunedin statt und das wars fuer uns im Sueden; damit werden dann wohl auch die kurzfristigen Besucherstroeme abmagern. Generell sind weniger Leute im Land, als man sich das erhofft hatte, aber das haben sich die Kiwis selbst zuzuschreiben. Die Preise fuer Unterkuenfte sind wahnsinnig nach oben gegangen und viele Reiseunternehmen haben ihre Reisen fuer die Zeit waehrend des World Cups abgesagt, weil sie keine bezahlbaren Unterkuenfte finden konnten. Auch das ist nichts neues, das war in Vancouver damals genauso, Hotelbetten waren teilweise 5 -der 6 mal so teuer wie sonst und einige Vermieter kuendigten sogar ihren Mietern, weil sie hofften, kurzfristige Mieter fuer die Winterspiele zu dreimal so hohen Mieten in ihren Apartments unterzukriegen. Geld regiert die Welt und es macht die Menschen korrupt!

Ach ja und eine Sache bringt mich immer zum Schmunzeln und neuerdings zum Augenrollen. Wenn man all die Hakas sieht, die da nicht erst seit ein paar Wochen ueberall aufgefuehrt werden, koennte man meinen, die Mehrzahl der Einwohner sei Maori. Sind sie aber gar nicht, Maori ist zwar ein wichtiger Bestandteil der neuseelaendischen Kultur, aber es gibt noch viele andere Einfluesse, vorallem aus Europa und Asien. Dennoch herrscht der weitverbreitete Glaube, dass man einen Haka auffuehren muss, um Nationalstolz zu zeigen. Nicht Maori Kiwis schuetteln schon genervt mit dem Kopf und als wir hier im kleinen Kreis die Eroeffnungsfeier und Festigkeiten in Auckland im Fernsehen verfolgten und alle naselang irgendwo ein Haka aufgefuehrt wurde, machten wir uns einen Spass darauf und meinten nur "ach schau, schon wieder einer!". Tage spaeter wird in Christchurch eine vom Erdbeben stark beschaedigte Schule wiedereroeffnet und bevor die Schueler die Schule betreten, fuehren sie erstmal einen Haka auf. Was das zu bedeuten hat, weiss wahrscheinlich keiner, aber das ist gerade in Mode gekommen. Mich nervts, aber mich fragt ja keiner!

Nach all der negativen Schreiberei moechte ich abschliessend nur sagen, dass ich hinter den All Blacks stehe und hoffe, dass sie den World Cup gewinnen. Wenn sie verlieren sollten, moechte ich gern irgendwo Urlaub machen, denn diese Stimmung will ich ehrlich gesagt nicht hautnah erleben. Die Erwartungen sind hoch, meiner Meinung nach zu hoch, und manchmal kann man den Leuten eben nicht geben, was sie sich alle so sehr wuenschen. Ja die All Blacks sind gut, aber es braucht nur ein paar Fehler oder ein gegnerisches Team in besserer Tagesform und schon ist es passiert. Obwohl ich hoffe, dass wir nicht wieder gegen die Australier gewinnen; gegen die haben wir erst vor ein paar Wochen den Bredisloe Cup verloren und das tat weh!

Monday, August 8, 2011

die Arbeit hat mich wieder

Der Urlaub verging wie im Flug und inzwischen habe ich auch schon wieder meine erste Schicht in Milford hinter mich gebracht. Bis dahin war es allerdings ein langer Weg, denn meine Ankunft in Neuseeland verlief etwas holprig. Am Montag, den 24.07. landete ich in Auckland und sollte eigentlich am naechsten Morgen weiter nach Queenstown fliegen. Schlechtes Wetter und massive Schneestuerme zwangen fast die gesamte Suedinsel in die Knie und fast alle groesseren Flughaefen waren gesperrt. In Christchurch gab es bis zum 50cm Schnee in der Stadt, was man dort schon seit vielen Jahren nicht mehr erlebt hat. Nicht nur die Strasse nach Milford war wegen erhoehter Lawinengefahr gesperrt, sondern auch Strassen im gesamten suedlichen Raum. Kurz um, es ging nichts mehr. Ausser warten konnte ich nicht viel tun und so genoss ich zwei Tage sightseeing in Auckland, wo ich schon seit einigen Jahren nicht mehr gewesen war. Am Mittwoch, den 26.07. konnte ich endlich nach Queenstown fliegen, wo ich einen wunderschoen verscheiten Skiort vorfand; so wie man Queenstown eben kennt und liebt. An die Kaelte musste ich mich aber erstmal wieder gewoehnen, vorallem nachts.
Am Donnerstag gings dann endlich wieder nach Milford und am Freitag startete ich mit zwei Tagen Verspaetung wieder voll mit Arbeit durch. Waehrend meiner Abwesenheit hatte es mehrere Tage Strassensperrung gegeben und die laengste war wohl 9 Tage. Da kann man schon mal nen Budenkoller kriegen, wenn man immer die gleichen Leute sieht und es auf Arbeit nichts zu tun gibt. Einigen meinen Arbeitskollegen erging es aber noch schlimmer, sie steckten naemlich in Te Anau fest und checkten jeden Tag die Meldungen der Verkehrsbehoerde, ob die Strasse nach Milford nun wieder geoeffnet wuerde oder nicht. Wie ich da so manche meiner Arbeitskollegen kenne, die immer knapp bei Kasse sind, hinterlaesst das ein grosses Loch im Geldbeutel, schliesslich muss man Unterkunft und Verpflegung zahlen.

Mein Geburtstag stand ja dann auch ziemlich schnell und es war schon etwas aergerlich, dass ich den nicht in Deutschland verbringen konnte, aber da fuehrte leider kein Weg hinein bei meinem Chef. Ich musste, wie jedes Jahr eigentlich, arbeiten und es war ein toller Tag. Ich sah zum ersten Mal in dieser Saison die Fiordland Pinguine, die nun wieder nach Monaten im Wasser an Land kommen, um Nester fuer die Brutzeit zu bauen. Als ich am Morgen aufs Boot kam sang meine Crew in Reih und Glied Happy Birthday und waehrend der Bootsfahrt wurde ich natuerlich auch wieder standesgemaess unter einen Wasserfall gesteckt. Abends gabs dann eine Party fuer mich, bei der einige Anwesende deutlich einen ueber den Durst tranken und denen es dann am naechsten Morgen bescheiden ging. Und das, obwohl man eigentlich versuchen wollte, mich mit einem Kater auf Arbeit zu schicken, aber mir gings blendend.

Zurueck in Milford versuche ich nun, meinen Urlaub aufzuarbeiten, meinen Blog zu schreiben (fertig!), den Englischen Blog endlich mal anzufangen, Fotobuecher fuer meinen Urlaub zu erstellen, mein Zimmer auf Vordermann zu bringen (vor dem Urlaub aufzuraeumen machte ja keinen Sinn.....!) und fuer regelmaessige "Siedler von Catan" Spieleabende treffe ich mich nun auch mit einigen meiner Arbeitskollegen. Es gibt also immer was zu tun....

Saturday, July 23, 2011

In der Heimat unterwegs

Man koennte ja schon den Eindruck gewinnen, dass ich nur im Ausland herumreise, aber das stimmt so nicht. Auch in Deutschland habe ich kleinere Ausfluege unternommen, von denen ich hier kurz berichten moechte.

Wuerzburg
Bereits am ersten Wochenende nach meiner Ankunft im Juni verschlug es mich fuer ein paar Tage nach Wuerzburg, wohin mich Katrin eingeladen hatte. Das war zwar nicht mein erster Besuch in Wuerzburg, dafuer aber der erste mit professioneller Stadtfuehrung. Ein Gestaendnis muss ich hier machen; bei den verschiedenen Kirchen und Gotteshaeusern verlor ich bereits nach kurzer Zeit den Ueberblick, aber dafuer gibts ja Google und Wikipedia (und Katrin, die meine Bilder hinterher beschriftete). Ausserdem kam ich noch in den Genuss einer ausfuehrlichen Fuehrung durch den muetterlichen Garten mit allem Gemuese und bluehenden Blumen. Tja, um ein Vielfaches produktiver als unser Garten, Hut ab an die Pflegeberechtigte mit dem gruenen Daumen!

Buchenwald und Weimar
Das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald befindet sich zwar nur 60km entfernt von Suhl, dennoch bin ich nie dort gewesen, und dass obwohl sich dort jaehrlich zahlreiche Schulklassen einfinden. Was sich dort in den Jahren 1937-1945 abgespielt hat darf nicht vergessen werden, schon allein um eine Wiederholung zu vermeiden. Leider haben die Menschen noch immer nicht gelernt und so wuetete erst vor ein paar Tagen in Norwegen ein christlicher Fundamentalist mit Hass auf Auslaender und toetete in weniger als zwei Stunden mehr als 90 Menschen. Wie man sich derart in einen Rausch begeben und masslos toeten kann, ohne jegliches Empfinden und Mitleid, wie man auf fliehende um ihr Leben rennende Menschen ohne Skrupel schiessen kann, all das kann ich nicht verstehen. Ebenso wenig wie die Geschehnisse in Buchenwald und hier vorallem im Kleinen Lager. Als waeren die Umstaende im gesamten Lager nicht schon schlimm genug gewesen fuer die Gefangenen ging es im Kleinen Lager um ein Vielfaches fuerchterlicher zu. Hierher kamen all die Kranken und Arbeitsunfaehigen, die den harten Arbeitsbedingungen nicht mehr Stand halten konnten. Da sie nicht arbeiteten und daher in den Augen der Nazis wertlos waren, bekamen sie kaum Essen, wurden in die Huetten und spaeter in Zelte gepfercht und lebten unter grausamen Bedingungen. Tote wurden einfach vor den Huetten liegengelassen.
1940 wurde das erste Krematorium in Buchenwald gebaut um den vielen Toten Herr zu werden. Das Krematorium kann man heute noch besichtigen, wobei ich sagen muss, dass man wirklich starke Nerven braucht, um da an den Oefen vorbeizulaufen. Das ganze Gebaeude dient heute vielen Angehoerigen als Begraebnisstaedte und so findet man dort viele Gedenksteine im Voraum. Und schon allein der Anblick der Hunderten Urnen lies mir einen kalten Schauer den Ruecken runterlaufen.
Der Besuch in Buchenwald hat mich wieder sehr wuetend gemacht. Wuetend auf die Menschheit, die ihr Bestes tut, sich selbst zu zerstoeren. Ich bin sicher nicht die einzige Person, die sich gefragt hat, wie es zu all dem kommen konnte und wie Menschen zu solchen Taten faehig sind. Befehle hin oder her und selbst die Angst um das eigene Leben mit einbezogen, aber wo faengt Zivilcourage an? Gerade dieser Frage muessen wir uns auch wieder verstaerkt in der heutigen Zeit stellen, wo Menschen in aller Oeffentlichkeit angegriffen werden und niemand einschreitet.

Drei Gleichen und Bratwurstmuseum
Thueringen ist bekanntermassen das Land der Burgen und Schloesser und ich glaube man kann Jahre damit verbringen, all diese Burgen und Schloesser zu erkunden. Die Drei Gleichen dominieren die Landschaft und sind von der Autobahn A4 leicht zu erkennen.

"Die Burgen wurden zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert erbaut, hatten nie dieselben Besitzer und sind auch aeusserlich ungleich. Der Sage nach entstand der Begriff Drei Gleichen nach einem Kugelblitz-Einschlag am 31. Mai 1231, nachdem die Burgen wie drei gleiche Fackeln gebrannt haben sollen. Dieses Ereignis ist die Grundlage für den „Dreinschlag“, ein Feuerwerksspektakel, das in den Jahren 2002 und 2003 durchgefuehrt wurde.Waehrend die Muehlburg und die Burg Gleichen nur noch gut erhaltene Ruinen sind, wird die Wachsenburg heute als Hotel und Restaurant genutzt.Vor etwa 100 Jahren befand sich an der Stelle, wo jetzt die Autobahn zwischen der Muehlburg und der Burg Gleichen verlaeuft, ein großer See. Der Wanderweg, der die drei Burgen verbindet, ist nach dem Schriftsteller Gustav Freytag benannt." (geklaut bei Wikipedia, besser haette ich es auch nicht sagen koennen)

Jede der Burgen hat eine interessante eigene Geschichte, die ich hier nur kurz anreissen moechte.
Drei Gleichen: Die Burg wurde 1034 erstmals urkundlich erwaehnt und eine Sage berichtet vom zweibeweibten Grafen von Gleichen. Demnach habe der Graf Ernst von Gleich 1227 am fuenften Kreuzzug teilgenommen und sei gefangen genommen worden. Nur mit Hilfe der Tochter des Sultans, Melechsala, gelang ihm die Flucht nachdem er ihr die Ehe versprochen hatte.
Die Muehlburg ist die aelteste der drei Burgen und das aelteste erhaltene Bauwerk Thueringens und entstand so ungefaehr um die Zeit 700. Die Bewohner der Burg wechselten staendig und im Jahre 1357 wurde sie zu einem Bollwerk ausgebaut, um die Erfurter Handelswege zu sichern.
Veste Wachsenburg: wahrscheinlich gebaut um 930, erstmals urkundlich erwaehnt 1140. Auch die Wachsenburg wurde waehrend ihres Bestehens zahlreich um-und ausgebaut und war Gegenstand vieler kriegerischer Auseinandersetzungen, sodass ihre Besitzer haeufig wechselten. Am 4.4.1945 besetzten die US Truppen die Burg und die Generaele Patton und Eisenhower trafen sich zu Gespraechen.

Anschliessend besuchten wir in Holzhausen noch das Bratwurstmuseum, welches man als echter Thueringer mal gesehen haben muss. "Das Museum beinhaltet eine staendige Ausstellung zu Geschichte, Tradition und kulturellem Stellenwert der Bratwurst im gesellschaftlichen Leben im Allgemeinen und der Thueringer Bratwurst im Besonderen. Alles rund um die Bratwurst hat hier seinen Platz. Vom Schwein, der Schlachtung bis zu den Geraeten und Maschinen zur Bratwurstherstellung reichen die Ausstellungsstuecke." Ernst nehmen sich die Macher dabei nicht allzusehr und so muss man viele Ausstellungstuecke mit einem Zwinkern sehen. Uns hat es jedenfalls Spass gemacht und das ist die Hauptsache.

Merkers in Bad Salzungen
20 Euro fuer einen 2,5 stuendigen Aufenthalt unter Tage?! Ja das dachten wir auch, haben aber die Tour trotzdem mitgemacht - und es nicht bereut. Eingekleidet mit Schutzhelm und Jacke ging es im dreigeschossigen Fahrstuhl 800 Meter nach unten ins Bergwerk und dort rauf auf die Lagerflaechen der speziell umgebauten Lastwagen. Auf diesen duesten wir durch die engen und dunklen Gaenge und mussten die meiste Zeit unsere Helme festhalten, um sie nicht zu verlieren. Was gibt es denn nun da unten zu sehen? Eine ganze Menge. Erstmal gibt es dort unten ein kleines Museum, welches anschaulich die Geschichte des Bergwerks und des Salzabbaus beschreibt. Nicht nur die Ausruestung aus den Anfangszeiten ist dort zu bewundern (Stichwort Weiberarsch!), sondern auch eine grosse Bandbreite an technischem Geraet und Baufahrzeugen. Zu begutachten gibt es ausserdem die 1980 entdeckte Kristallgrotte mit Salzkristallen bis zu einem Meter Kantenlaenge, eine Kristallbar, Grossbunker und Goldraum. Der Grossbunker diente urspruenglich der Lagerung von 50.000 Tonnen Rohsalz und ist heute der groesste Konzertsaal unter Tage mit einer herrlichen Akustik, die von den verschiedensten Kuenstlern fuer Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt wird. Management Trainings koennen dort unten auch gebucht werden und diese werden gern mit Kletteruebungen auf dem Hochseilgarten verbunden, welcher sich dort ebenfalls befindet. Ausserdem findet man im Grossbunker den groessten untertaegig eingesetzten Schaufelradbagger der Welt.

Und es kommt noch dicker. Weiter ging es zum Goldraum, in dem vor vielen Jahren Weltgeschichte geschrieben wurde. Hitler lagerte zum Ende des zweiten Weltkrieges nicht nur die Gold- und Devisenschaetze der deutschen Reichsbank in Merkers (mit einem Gesamtwert von 650 Millionen Reichsmark) sondern auch umfangreiche Bestaende Berliner Museen, um sie vor dem Zugriff der Amerikaner zu sichern. Im April 1945 bewegten sich die Amerikaner zielstrebig auf Merkers zu und wussten ganz genau, wo sie nach dem Schatz zu suchen hatten, schliesslich wussten sie durch die Flugaufklaerung ganz genau, dass ganze Zugladungen zu diesem Ort gebracht wurden. Als die Generaele Eisenhower und Patton die Grube nach Auffinden des Schatzes betraten, machte dies weltweit Schlagzeilen.

Wer nun aber glaubt, Merkers sei nur ein Vergnuegunsort oder aussergewoehnliches Museum, der irrt gewaltig. Taeglich werden dort mit Hilfe von 40 Tonnen Sprengstoff 80.000 Tonnen Salz gefoerdert und zwar in zwei Schichten. Gesprengt wird meistens zwischen den Schichten, wenn die einen Arbeiter nach Hause gehen und bevor die anderen zum Arbeiten kommen, damit sich waehrend der Explosionen sowenig Leute wie moeglich unter Tage aufhalten.

Abschliessen werde ich diesen Abschnitt mit dem Grusswort der Bergleute: Glueck auf!

Altensteiner Hoehle und Schloss in Bad Liebenstein
Und da wir uns in Thueringen nun mal im Land der Burgen und Schloesser befinden, statteten wir dem Altensteiner Schloss auch noch einen Besuch ab. Das Schloss fiel in der Vergangenheit mehrfach dem Feuer zum Opfer, letztmals im Jahre 1982, welches das Schloss schwer beschaedigte. Seit 2010 wird es nun groesstenteils durch private Spenden wieder aufgebaut und renoviert, wobei bisher unbekannte Kellerraeume gefunden wurden. Viel deutet daraufhin, dass es sich bei Altenstein frueher um eine mittelalterliche Burg handelte, die aber fast komplett zerstoert wurde und an dessen Stelle spaeter ein barockes Landhaus entstand. Wer sich fuer die Geschichte der Burg interessiert, kann das gern bei Wikipedia nachlesen, dort gibt es eine sehr ausfuehrliche Aufstellung der frueheren Geschehnisse.

Wir haben auch der sich in der Naehe befindlichen Hoehle einen Besuch abgestattet und fanden auch hier wieder einen tuechtigen Geschaeftssinn vor, den man wahrscheinlich als Betreiber solch einer kleinen Hoehle auch benoetigt. Auch diese Hoehle kann fuer Veranstaltungen jeglicher Art und hier besonders aufgrund der einzigartigen Akustik fuer Konzerte gebucht werden. Allerdings ist diese Hoehle nicht so wohl temperiert wie der Grossbunker in Merkers (dort 28 Grad) und so sollten die Auftritte 30 Minuten nicht ueberschreiten, damit den Spielern beim Betaetigen der Instrumente nicht die Finger abfallen. In der Hoehle wurden Knochen eines 800 Jahre alten Schwarzbaeren gefunden und der fruehere Herzog Georg I. von Meiningen genoss bereits kleine Konzerte in den Gemaeuern der Hoehle.
Die Altensteiner Hoehle ist die aelteste Schauhoehle Thueringens und wurde am 28.06.1799 bei Strassenbauarbeiten zufaellig entdeckt und bereits im Folgejahr zur Schauhoehle ausgebaut.

Auf dem Rueckweg kamen wir dann noch am Trusetaler Wasserfall vorbei, der kein natuerlicher Wasserfall ist, sondern vor vielen Jahren durch den Bergbau entstanden war. Vorallem im Winter wird der Wasserfall abgeschaltet um Frostschaeden am Gestein zu vermeiden. Gerade fuer mich ist der Gedanke an kuenstlich angelegte Wasserfaelle absurd, schliesslich sehe ich natuerlich entstandene Wasserfaelle tagtaeglich bei der Arbeit, aber leider kann sich ja nicht jeder so gluecklich schaetzen. Also jedem das seine!

Haette ich noch mehr Zeit fuer Entdeckungstouren in der Heimat gehabt, so haette ich diese auch genutzt, aber nachdem die Zeit mal wieder wie im Flug vergangen war, gings am 22. July schon wieder zurueck nach Neuseeland. Da bleibt mir nur zum Abschied zu sagen: Bis zum naechsten Mal!